vom selbstversuch zum winterritual
Aktualisiert: vor 8 Stunden
Winterbaden in Spiez

Als ich während der Covid-Zeit zum ersten Mal in den Thunersee stieg, war das Wasser etwa acht bis zehn Grad kalt. Ich war neugierig und wollte herausfinden, was die Kälte mit meinem Körper macht. Ganz ehrlich: Damals ging es mir vor allem darum, mir selbst etwas zu beweisen und meine Grenzen zu testen. Wirklich auf die Kälte einlassen konnte ich mich noch nicht.
Heute ist das anders. Zwischen November und Februar gehört das Winterbaden etwa einmal pro Woche zu meinem Sonntagmorgen. Mein bevorzugter Ort ist der Walenrain neben dem Schloss Spiez. Dort kann man in der Nähe parkieren, bequem ins Wasser gehen und im besten Fall den Sonnenaufgang über dem See erleben. Diese Kombination aus Kälte, Ruhe und Natur finde ich enorm spannend.
Vor dem Einstieg nehme ich mir meist Zeit für eine kurze Atemübung, manchmal auch für ein Aufwärmritual. Danach gehe ich langsam ins Wasser, bis Oberkörper und Nacken unter Wasser sind. Dort konzentriere ich mich auf meinen Atem und bleibe so lange, wie es sich an diesem Tag richtig anfühlt. Nach dem Winterbaden durchströmt mich eine wohlige Wärme, die ich zwei bis drei Minuten geniesse. Danach trockne ich mich rasch ab, ziehe trockene Kleidung an und wärme mich mit einem warmen Tee auf.
Was als persönliche Challenge begann, ist für mich heute ein Ritual, das weit über die Überwindung hinausgeht. Nach dem Baden fühle ich mich wach, energiegeladen und mental gestärkt. Gleichzeitig bin ich dankbar, weil ich diesen Moment an einem so schönen Ort erleben darf.
Wer Winterbaden ausprobieren möchte, sollte sich keinen Beweis liefern müssen. Entscheidend ist, nur dann ins Wasser zu gehen, wenn man sich körperlich fit und bereit fühlt. Für die ersten Versuche empfiehlt sich die Begleitung durch erfahrene Winterbader:innen. Alleine würde ich aus Sicherheitsgründen nicht ins kalte Wasser gehen. Bei gesundheitlichen Unsicherheiten ist es sinnvoll, vorher ärztlichen Rat einzuholen.
Silas


