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spiez: ort der freude

11. Sept.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 8 Stunden

Auf den Spuren von Spiez

© Martin Natterer
© Martin Natterer

Spiez ist nicht irgendein schöner Ort. Spiez ist ein ausgesucht schöner Ort, und einer, der zudem Geheimnisse birgt. – Ein reizvoller Rundgang durch Geschichte und Gegenwart.


© Martin Natterer
© Martin Natterer

Die Spiezer, ihre Burg und ihr Städtchen

Spiez war bereits in der Bronzezeit besiedelt, wie man aus unzähligen Spuren herausgefunden hat. Historisch wirklich greifbar wird es jedoch ab dem Hochmittelalter. Am Fuss der hochmittelalterlichen Burganlage hatte sich im 13. Jahrhundert das Städtchen Spiez mit Mauer und Tor gebildet, dem König Rudolf I. von Habsburg 1280 einen Wochenmarkt zugestand. Als königliches Privileg war das auch eine Auszeichnung.


1289 waren dann schon die regionalen Freiherren von Strättligen Mitinhaber der Burg, und sie bestimmten – nach dem Tod des Königs in 1291 – neben anderem Adel längere Zeit die Geschicke des Ortes und seiner Bäuerten. 


In dieser Zeit, als die Herren von Strättligen die Spiezer Burg besassen, wurde der Ort sogar ein wenig auf der europäischen Bühne sichtbar, nicht als grosser «Mitspieler», sondern – man höre und staune – in Form musischer Beiträge. Einer derer von Strättligen taucht nämlich nicht nur als Minnesänger in der Manesse-Handschrift auf, sondern war auch singender Gast an adligen Gesellschaften. 


Laupen Schilling
Laupen Schilling

Geschichte und Geschichten

Der Spiezer Geschichte begegnet man noch heute bei einem Rundgang an manchen Orten. Und wie ein Geheimnis gibt diese Geschichte bei genauem Hinsehen ihre Ursprünge preis: So am berühmten Aussichtspunkt Katzenstein, der am Anfang des Erlebnispfades Spiezer Rebberg steht. Die letzte Eiszeit brachte den riesigen Steinblock an seinen heutigen Ort. Betrachtet man den Felsen aus einem guten Winkel, gleicht er einer Katze, woher auch sein Name kommt. Lebhaft macht er deutlich, mit welchen Kräften vor nur wenigen Tausend Jahren der Thuner See entstand. 


Einmalig an Alter und Bauform ist die frühmittelalterliche Kirche auf dem Spiezer Bergsporn. Das heutige Kirchengebäude entstand vermutlich im 11. Jahrhundert auf der Grundlage eines erstmals im Jahr 762 erwähnten Vorgängerbaus. Es ist eines der ältesten Baudenkmäler der weiten Umgegend. 


Der Turm der Kirche überragt das Kirchenschiff samt Chor, der wiederum auf einer vom Typus her einzigartigen Krypta ruht: Sie ist nur von den Seitenjochen der Choranlage her erschlossen und zählt zu den ältesten Teilen der Kirche. Das Ensemble gehört offiziell zu den «schützenswerten Kulturgütern» der Schweiz.


Im Spiezer Schloss, das nach und nach aus der mittelalterlichen Burg entstand, wurde Geschichte aufgezeichnet: Zuerst in Bern, dann aber auch im hiesigen Schloss, schrieb der Chronist Diepold Schilling im 15. Jahrhundert mehrere Chroniken, die in die Schweizer Geschichte eingingen. Sie enthalten unter anderem die erste Darstellung der Vorläuferin der heutigen Schweizerfahne aus der Schlacht bei Laupen (1339). 


Die Schreibstube des Chronisten Diebold Schilling (1426 bis 1486). Bild: Diebold Schilling der Ältere.
Die Schreibstube des Chronisten Diebold Schilling (1426 bis 1486). Bild: Diebold Schilling der Ältere.

Zu den Dingen, die uns in die Spiezer Gegenwart verbinden, gehört neben dem nun rund 300 Jahre alten Heimat- und Rebbaumuseum die Spiezer Wasserversorgung: Aus dem aufstrebenden Tourismus am Ende des 19. Jahrhunderts heraus entstanden, wurde sie gemeinsam mit der Nachbargemeinde Aeschi im Jahr 1901 gegründet und sorgt nach über 125 Jahre noch heute für nachweislich bestes Trinkwasser. 


Dies alles kann man nur in einem Atemzug mit der fundamentalen Rolle der Eisenbahn für die Ortsentwicklung am Knotenpunkt Spiez erwähnen. Sie entstand ebenfalls am Ende des 19. Jahrhunderts und gehört bis heute zur «Seele von Spiez». 


Das Licht der Bucht und Spiezer Freude

Erlebt man Spiez unmittelbar, so sticht das einmalige Lichterlebnis ins Auge. Faszinierend zu fast jeder Tageszeit ist besonders das Licht in der Spiezer Bucht. Es ist derart überwältigend, dass mediterrane Vergleiche aufkommen: Palmen, Blumen und üppige Gärten samt den naheliegenden Weinbergen verstärken in der vermutlich «schönsten Bucht Europas» das im vollen Wortsinn «blendende Erlebnis». Die gar nicht so fernen Berge der Hochalpen wirken in Spiez wie ein kontrastierender und belebender Hintergrund. 


Die von den Berner Bergen auf Spiez herunterströmende Kühle beschert zudem dem Spiezer Wein eine fast einmalige Geschmackskomponente, eine typische Frische und geschmackliche Tiefe. 


Was wäre Spiez schliesslich ohne Feste! Der Läset-Sunntig, der Chlouse-Märit und das typisch Spiezer «Usestuehle» sind nur einige Beispiele typischer Spiezer Geselligkeit. 


Es sind alles Geheimnisse, die sich erschliessen, wenn man sich für Spiez Zeit nimmt. 


Martin Natterer


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